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Ortsinfo

Ortsgeschichte und Entwicklung

 Kurhaus und Sanatorium 1903

Bild: Kurhaus und Sanatorium 1903


Archäologische Funde in Bad Sauerbrunn

Im Bereich der Thermalquelle, bei der Ortseinfahrt (Ortsfriedhof), befand sich die älteste Siedlung von Bad Sauerbrunn. Bei Ausschachtung von Gräbern kamen dort in den letzten Jahren Funde aus der ältesten Stufe der Jungsteinzeit (Neolithikum) zutage, die aus dem 6. Jahrtausend vor Chr. stammen.

Von der Anwesenheit der Römer auf dem Sauerbrunner Gebiet zeugen mehrere Gräberfelder im Ortsgebiet. Unter den reichen Beigaben ist vor allem ein Tonkrug mit eingeritztem Kreuzzeichen hervorzuheben, ein Nachweis für das frühe Christentum in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts. In der Bad Sauerbrunner Heilquelle, der "Paulquelle", wurden bei Reinigungs- und Umbauarbeiten 1925 und 1928 archäologische Funde entdeckt. Es ist anzunehmen, dass das Quellwasser schon in der mittleren Bronzezeit genutzt wurde.

Ob damals schon die Heilwirkung eine Rolle gespielt hat, ist allerdings nicht mehr feststellbar. Die römerzeitliche Nutzung ist jedenfalls anzunehmen. Dies ist vor allem aus der dichten Besiedlung der Umgebung zu schließen: In der Entfernung von 200 bis 2.000 Metern um die Paulquelle sind bis jetzt sieben römische Fundstellen bekannt, darunter ein großer Gutshof (Villa rustica) und drei spätrömische Gräberfelder.

Durch das Ortsgebiet von Bad Sauerbrunn verlief außerdem eine Vicinalstraße von Scarbantia (Sopron-Ödenburg) her. In römischer Zeit waren die medizinischen Kenntnisse schon so weit fortgeschritten, dass man der Beschaffenheit der Mineralquellen besonderes Augenmerk widmete. So beschrieb vor 2000 Jahren M. Vitruvius Pollio, ein Architekt, Ingenieur und Naturforscher, in einem seiner Bücher auch warme Quellen und die Eigenheiten verschiedener Gewässer. Er führte u.a. aus (Vitr. VIII,3, 17): "Ferner gibt es saure Quellen, z. B. in Lynkestis und in Italien bei Velia, bei Teanum in Kampanien und in nicht wenigen anderen Orten, die die gute Eigenschaft haben, dass sie, wenn man sie trinkt, Steine, die sich im menschlichen Körper in der Harnblase bilden, zerstören." Die Behandlung von Steinleiden war vielleicht damals wie heute eine wichtige Anwendung des Bad Sauerbrunner Heilwassers. Immer wieder werden seit 1900 im Bad Sauerbrunner Friedhof und auf den angrenzenden Grundstücken bei Erdarbeiten einzelne Gräber eines ausgedehnten awarischen Friedhofes des 8. Jh.s gefunden. Die Grabbeigaben, Töpfe, Schmuckgegenstände, Spinnwirtel und Eisenmesser, kamen ins Burgenländische Landesmuseum.

Nutzung der Mineralwasserquelle

Das Dorf Sauerbrunn entstand im südwestlichen Teil des Pöttschinger Hotters (Hotter = ostösterr. für Gemeindegrenze) erst Ende des 19. Jh. im Zusammenhang mit der zunehmenden Nutzung der Mineralwasserquelle, des "Pöttschinger Sauerbrunns".

Die Quelle hatte bis zum Beginn des 19. Jh. den lokalen Bedürfnissen gedient, ohne große Bedeutung zu erlangen; allerdings hatte sie bereits im Jahr 1777 im Werk "Gesundbrunnen der österreichischen Monarchie" von Heinrich Johann von Cranz Erwähnung gefunden. 1800 ließ Fürst Nikolaus Esterhàzy die Quelle durch den Komitatsphysikus Johann Nepomuk Hell untersuchen, neu fassen und mit einem Dach auf Säulen überdecken. 1802/03 löste er fünf kleine Äcker, Wiesen und einen Weingarten beim Sauerbrunn ein, um hier ein Gasthaus zu errichten. Dieses wurde 1803 gebaut und bildete den Grundstein zur intensiven Nutzung des Säuerlings.

Entwicklung zum Kur- und Badebetrieb

Der Bau der Bahnlinie Wiener Neustadt - Ödenburg in unmittelbarer Nähe der Quelle, die mit einer Bahnstation "Pöttschinger Sauerbrunn" 1847 fertiggestellt wurde, bildete einen wichtigen Markstein in der weiteren Entwicklung. Durch diese optimale verkehrsmäßige Erschließung des Sauerbrunnens war nun die Entwicklung zum Kur- und Badebetrieb vorprogrammiert.

1852 wurde dem Wiener Neustädter Arzt Dr. Josef Fink die Benützung des Pöttschinger Sauerbrunns zu Heilzwecken auf 50 Jahre überlassen, damit er durch die Errichtung von Trink- und Badeanstalten sowie die Versendung des Sauerwassers einen größeren Nutzen erreichen konnte. Der unentgeltliche Bezug des Mineralwassers für die Einwohner von Pöttsching und der Nachbarorte blieb aber bestehen. 1853 ließ Dr. Fink ein zweistöckiges Kurgebäude errichten; 1857 wurde das gutherrschaftliche Gasthaus aufgestockt, sodass weitere Zimmer angeboten werden konnten. Nach dem Tod des Arztes versuchten dessen Erben im Jahr 1861 Quelle und Grundstücke um das Kurhaus vergeblich als Eigentum zu erwerben; die Esterhàzysche Gutsverwaltung vergab weiterhin nur Pachtverträge.

1892 wurden einige Räume des Kurhauses durch einen Brand zerstört.

Aufschwung des Ortes

In den 1870-er Jahren setzte der private Villenbau in der Nähe der Quelle ein. Die Eröffnung einer Staatsvolksschule im Jahr 1894, die Errichtung von Wohnhäusern und viele Vereinsgründungen trugen wesentlich zum Aufschwung des Ortes bei. Diesem zollte die Komitatskongregation Rechnung, indem sie Sauerbrunn gestattete, den Titel "Kurbad" anzunehmen. 1903 wurde wegen der stetig zunehmenden Zahl der Kurgäste vom damaligen Pächter des Kurhauses, Dr. Grimm, ein modernes Sanatorium errichtet.

Nachdem bereits seit 1904 Schritte zur Gemeindeerhebung unternommen worden waren, weil durch die Ausweitung des Baugebietes einige Häuser auch im angrenzenden Wiesener und Neudörfler Gemeindegebiet standen und eine Dreiteilung des Kurortes als hemmend für die weitere Entwicklung angesehen wurde, erlangte Sauerbrunn 1909 den Status einer Kleingemeinde, deren amtlicher Name "Savanyukut" lautete. Da sich der Ort so günstig weiterentwickelt hatte, wurde 1911 die Kleingemeinde zur Großgemeinde mit eigenem Notariat und Matrikelamt umgestaltet.

Der Erste Weltkrieg

Nachdem 1914 der Erste Weltkrieg ausgebrochen war, wurde Sauerbrunn mit den bitteren Folgen sehr früh konfrontiert: Vom Herbst 1914 bis Mai 1915 wurde eine Rekonvaleszenzstation und ab Mai 1915 ein Spital für 50 Verwundete eingerichtet. Nach der Errichtung der Räterepublik im März 1919 übernahm ein Rätedirektorium die Gemeindevertretung, das die Kuranstalten sozialisierte und bis zum August desselben Jahres bestand. Während dieser Epoche wurde Deutschwestungarn der Republik Österreich zugesprochen. Die Übergabe des Landes Ende August 1921 scheiterte vorerst am Widerstand ungarischer Freischärler, konnte aber mit Hilfe des österreichischen Bundesheeres vollzogen werden.

In den 1930-er Jahren wurde der in vollem Umfang wieder aufgenommene Kurbetrieb stark beworben und weiter ausgebaut. 1933 trat die Kurkommission dem Österreichischen Heilbäder- und Kurorteverband bei. Der 1939 einsetzende Zweite Weltkrieg brachte den Kurbetrieb völlig zum Erliegen. Im letzten Kriegsjahr wurden gewisse Zweige der durch die sich häufenden Bombenangriffe auf Wiener Neustadt gefährdeten Rüstungsbetriebe nach Sauerbrunn ausgelagert, weil große Bauobjekte der Kurverwaltung leerstanden. In der Hartigvilla (1944) war auch die letzte Station des Soldatensenders Belgrad, der mit seinem Lied "Lili Marleen" berühmt wurde. Er strahlte seine Sendungen bis knapp vor dem Einmarsch der sowjetischen Armee aus. Die Ereignisse des Krieges und die Zerstörung der Kuranstalten bedeuteten den Niedergang für den ehemals so beliebten Erholungsort.

Wiederaufbau der Gemeinde

Es folgte ein langwieriger, jedoch gezielter Wiederaufbau. Neben der "Paulquelle" kam eine zweite, die "Gemeindequelle" dazu, die als magnesiumreichste Österreichs gilt. Die Errichtung des Kurzentrums sowie der jüngste Thermalwasserfund gaben Anlass zu einer neuen Aufbruchstimmung. 1987 erhielt die Gemeinde die Berechtigung, den Ortsnamen Bad Sauerbrunn zu führen.

Derzeiter Einwohnerstand:  2006 Hauptwohnsitze

Kulturbauten:
Fleischhackerkreuz (Denkmal)
Der schöne Tabernakelpfeiler, auch Sauter-, Marien- oder Wetterkreuz genannt, steht am Weg nach Neudörfl (1651).

Kriegerdenkmal (Denkmal)
Der Grenzstein der ehemaligen österreichisch-ungarischen Grenze mit einem Wappenschild und Krone (1798) steht am Hotterrand gegen Neustift a.d. Rosalia.

Wurthkreuz (Statue)
Das Kreuz mit Corpus unter einem dreieckigen Dach steht am Wurtberg, am Weg nach Pöttsching; es wurde schon im 15. Jahrhundert genannt und immer wieder erneuert.

Villen aus der Gründerzeit
Zahlreiche Villen, ebenso wie das Rathaus, wurden kurz vor und um 1900 errichtet. Manche dieser Villen wurde in den letzten Jahren revitalisiert.

Katholische Pfarrkirche Maria Himmelfahrt
Der moderne Bau wurde 1967 - 1970 von Architekt Josef Patzelt erbaut. Der große Bau aus Sichtbeton hat ein breites Satteldach und einen frei stehenden Glockenturm. Die alte, 1892 errichtete Kirche stand gegenüber und wurde abgebrochen.

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